Das Aikido Prinzip – mehr als eine Kampfkunst

Auch wenn der Titel heute „Das Aikido Prinzip“ heißt, möchte ich nicht ausschließlich über japanische Kampfkunst schreiben. Aikido ist nämlich viel mehr als eine japanische Selbstverteidigungskunst. Robert Burdy und Philippe Orban haben ein interessantes Buch geschrieben. Im Aikido Prinzip beschreiben sie, wie die Kampfkunst in das Berufsleben von Führungskräften übertragen werden kann. Denn das Prinzip aus dem Aikido, die Kraft des Gegners für sich selber zu nutzen, gilt nicht nur in der Kampfkunst, sondern wird mittlerweile auch in Führungsetagen und in der Kommunikation praktiziert.

Was ist überhaupt Aikido?

Aikido ist eine defensive japanische Kampfkunst, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Ueshiba Morihei entwickelt wurde. Ziel dieser Kampfkunst ist die eigene Selbstverteidigung. Die Praktizierenden werden Aikidos genannt. Sie begegnen einem Angriff dadurch, dass sie die Angriffskraft des Gegners zu ihren Gunsten nutzen. Kunstgerecht leiten sie die Energie des Angriffs um. Dadurch verhindern sie, dass der Angreifer seinen Angriff fortsetzen kann. Dabei bedienen sie sich spezieller Wurf- und Haltetechniken. Ganz nebenbei bewahren sie ihre gute Position und kontrollieren ihren Angreifer.

Aikido bedeutet: Ai (Harmonie), Ki (Lebensenergie), Do (Lebensweg). Dieser harmonische Weg der Lebensenergie bezieht sich darauf, dass beim Angriff die Energie kontrolliert, nicht aber abgeblockt wird. So biegen sich flexible Weiden im Wind, während stabilere Bäumen bei starken Sturm einfach abknicken. Wenn sich ein gegnerischer Angriff nicht mehr aufhalten lässt, werden im Aikido die Bewegungen des Angreifers nicht verhindert oder gar geblockt. Sie werden stattdessen zielgerichtet gelenkt. So kommt es zu einer Harmonisierung mit der Angriffsbewegung.

Das Aikido Prinzip von Robert Burdy und Philippe Orban

Der 1964 geborene Robert Burdy arbeitet als Moderator und Korrespondent. Als Executive Coach trainiert er regelmäßig Top-Manager und betreibt selber zum Ausgleich Aikido. Sein Freund Philippe Orban, der 1962 geboren wurde, ist mit sechs schwarzen Gürteln der höchstgraduierte Aikido Meister in Europa. Er betreibt in Leipzig seine Kampfkunstschule. Zusammen haben Sie das Buch „Das Aikido Prinzip“ geschrieben. In ihm beschreiben sie, was moderne Manager und Führungskräfte von der Selbstverteidigungskunst  lernen können.

Das Aikido Prinzip eröffnet einen neuen Zugang zum Thema Selbstmanagement. Es beschreibt alternative Handlungsweisen für Führungskräfte, die zu einem erfolgswirksamen und vertrauensbildenden Management führen. Mit diesem Prinzip soll Managern und Führungskräften bei ihrer täglichen herausfordernden Arbeit ein Ratgeber der „neuen Wege“ zur Seite gestellt werden. Stark genug, um dabei selbst einem drohenden Burnout selbstbewusst entgegentreten zu können. Wie das gehen soll?

Nutze die Kraft des Gegners

Das Buch ist in vier größere Abschnitte unterteilt. In diesen Abschnitten befassen sich die Autoren mit der richtigen Umgebung, der richtigen Haltung, der richtigen Handlung und den richtigen Werkzeugen. Um ihre Ideen zu verdeutlichen, erzählen die Autoren parallel zu ihren Theorien einen praktischen Fall aus dem Management. Geschichten aus dem Berufsalltag des „erfundenen“ 45 jährigen Managers Sören Berlebach. Viele Episoden werden dem Leser vertraut vorkommen. Nebenbei erfährt er so auch einiges über kleine Stolperfallen im Leben der Führungskraft Berlebach. Mit je einer kleinen Geschichte über Herrn Berlebach werden die Kapitel eingeleitet.

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Auf diese Beschreibungen folgen erklärende Abschnitte: „Angstfreiheit als Wettbewerbsvorteil“, „Pausen –der feine Unterschied zwischen Dynamik und Hektik“, „Kunst der effizienten Langsamkeit“ und natürlich „Nutzen Sie die Energie des Gegners“. Am Ende jedes größeren Abschnitts befindet sich eine Übung zur praktischen Anwendung. Hier kann der Leser das gerade Gelesene im Eigentest gleich zusammen mit seinen Kollegen erproben.

Aikido als Hybridmotor

Ich kann leider in diesem Artikel nicht alles Interessante und Wissenswerte aus dem Buch wiedergeben. Doch ich möchte mit dem Abschnitt „Nutzen Sie die Energie des Angreifers“ gerne ein Beispiel dafür geben, wie es den Autoren gelingt, die Prinzipien aus dem Aikido auf die Welt des Managements zu übertragen. Beim Aikido bestimmt die Dynamik des Angriffs in erster Linie die Dynamik der Abwehr. Dies lässt sich laut den Autoren auch mit einem umweltfreundlichen Hybridmotor vergleichen. Mit Hilfe gegenläufiger Energien wird Strom erzeugt, der das Fahrzeug antreibt.

Dieses Bild des Hybrid Antriebssystems sei auch ein schönes Bild für Manager. Hierbei handelt es sich um eine neue einfache moderne Art des Antriebs, die zudem umweltfreundlich bzw. menschenfreundlich ist. Die Autoren erklären einen Aikido Abwehrwurf, bei dem der Verteidiger den Angreifer mit seiner gesamten Energie packt und  zusätzlich noch beschleunigt. Der Angegriffene verteidigt seinen Raum und bleibt am Ort stehen, während der Angreifer mit eigener Energie ausgeschaltet ist.

Kampfkunst in der Welt des Managements

Auch in der Welt des Managements gibt es Krisen und Angreifer. Die Buchautoren erklären, dass sich die Abwehr einer Krise in die gleichen Phasen zerlegen lässt, wie die Abwehr eines Angriffs beim Aikido. Zunächst hat der Verteidiger die Stoßrichtung des Angreifers zu erkennen. Diese Energie nimmt er auf und leitet sie ab. So lenkt der Manager um die eigenen Interessen herum. Infolgedessen läuft der Angreifer auf und kann keinen Schaden mehr anrichten.

Was an dieser Stelle möglicherweise etwas theoretisch klingt, wird durch die Autoren im Buch selber plastisch und ausführlich Schritt für Schritt erläutert. Meines Erachtens handelt es sich um ein lesenswertes Buch, das vollkommen neue Sichten auf mögliche Managementstrategien offenbart. Es wird auch nicht verschwiegen, dass die Realität in vielen Unternehmen zumeist (noch) anders aussieht. Doch wer weiß, vielleicht hält zukünftig der friedfertige und zugleich selbstbewusste Aikido Gedanken doch noch vermehrt Einzug in die Führungsetagen der kleinen und großen Unternehmen.

Die Aikido Rhetorik

Ähnlich und doch in anderer Weise hat sich der leider im letzten Jahr verstorbene NLP Trainer und Coach Ralf Zunker mit dem Aikido befasst. Er hat die flüssigen energetischen Bewegungen des Aikido in die Kommunikation übertragen („der mit dem Wort tanzt“). Grundlage seiner Rhetorik ist die Aufteilung der Energien der Kommunikation in vier Farben. Rot steht für Argumentieren und Konfrontieren, Blau für Klären, Grün steht für Einladen und Begleiten und Gelb für Ausweichen.

Die gewaltige Energie einer beleidigenden Aussage (rote Energie) wird am besten mit der Energie einer anderen Farbe abgeleitet. So die Theorie von Zunker. Würde auf eine aggressive „rote“ Aussage, eine gleichfalls „rote“ Erwiderung kommen, träfen die Energien frontal aufeinander. Wie bei einem frontalen Kampf würde sich ein Wortgefecht aufschaukeln. Mit einer klärenden, einladenden oder ausweichenden Aussage auf „rot“ zu erwidern, leitet hingegen die aufgebaute „rote“ Energie sanft ab.

Selbstverteidigung, Management Taktik und Rhetorik

Das war ein kurzer Überblick über Aikido im ursprünglichen Sinn der japanischen Selbstverteidigungskunst sowie seine Anwendung als Management Taktik und kommunikative Rhetorik. Wann und wo auch immer Sie mit Aikido in Berührung kommen sollten – das Gute an dem Aikido Prinzip ist seine absolut friedfertige Grundhaltung. Es gibt im Aikido keinen Wettkampf, sondern nur defensive Techniken zur effektiven Abwehr von Angriffen. Und der Weg zur wahren Meisterschaft ist lang. Schnelle Kniffe und Tricks gibt es nicht, dafür aber einen auf Dauer angelegten harmonischen Weg.

 

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