Berufliche Neuorientierung eine Frage des Alters?

Berufliche Neuorientierung für alle Altersgruppen

Ist eine berufliche Neuorientierung auch in meinem Alter möglich? Das ist das Thema, auf das ich sehr häufig beim Erstgespräch angesprochen werde. Besonders skeptisch wird die Frage nach einer möglichen beruflichen Neuorientierung gestellt, wenn die oder der Fragende entweder noch sehr jung oder aber bereits im fortgeschrittenen Alter ist.

Eine junge Frau mit Ende 20 hat bislang als Krankenschwester gearbeitet und strebt nun eine berufliche Neuorientierung an. Sie möchte Medizin studieren, um Ärztin zu werden. Ein Mann mit 32 Jahren hat bislang als Techniker in einem kleinen mittelständischen Unternehmen gearbeitet und nun zieht es ihn plötzlich als Auswanderer nach Spanien, weil er sich dort als Restaurantbesitzer selbständig machen möchte. Zwei Beispiele von vielen. Natürlich geht so ein Lebens- und Berufswechsel nicht von heute auf Morgen. Doch mit etwas Planung, Willen und Unterstützung sicherlich im Ergebnis durchaus machbar.  Doch wie steht es mit Menschen, die bereits im Alter von 20 Jahren oder erst im Alter von 55 Jahren auf eine berufliche Neuorientierung setzen?

Berufliche Neuorientierung mit 20?

Wenn ein junger Mensch mit 22 Jahren zu mir kommt und sagt, dass er sich neu orientieren möchte, horche ich auf. Ich frage genau nach. Da unter dem Begriff Neuorientierung im Zusammenhang mit Beruf und Karriere im Allgemeinen eine geänderte Ausrichtung des Berufes verstanden wird, kann dies natürlich auch einen sehr jungen Menschen betreffen.

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Wir unterhalten uns ausführlich und dann stellt sich oft heraus, dass es sich um die eigentliche Erstorientierung bei dem Klienten handelt. Unter „eigentlicher Erstorientierung“ subsumiere ich die Fälle, in denen die ersten Schritte in das Berufsleben eher zufällig oder ohne großes Nachdenken passiert sind. Erst einige Zeit später findet derjenige dann doch seine Berufung. Es kommt schon einmal vor, dass ein Abiturient nicht so genau weiß, was er nach seinem Abschluss anfangen soll und kurzerhand irgendein Fach für ein Studium auswählt. Vielleicht beginnt er auch mit einem Studiengang, den seine Eltern vorschlagen. Möglicherweise hat er oder sie sich nicht ausreichend informiert und sich unter dem Studium etwas ganz Anderes vorgestellt. Doch plötzlich weiß er, dass er Physik studieren will. Und sie möchte mit dem Studium aufhören und eine Ausbildung zur Schreinerin beginnen.

Auch gehört in diese Kategorie der Auszubildende, der nach der Ausbildung nun doch noch ein Studium aufnehmen möchte oder der junge Angestellte, der neben seiner Arbeit seinen Fachhochschulabschluss anstrebt. Unter dem Strich ist in diesen Fällen auch jeweils eine persönliche Neuorientierung das Ziel, aber wegen des jungen Alters ist die berufliche Um- und Neuorientierung im Allgemeinen nicht so gravierend, wie bei älteren Menschen. Grundsätzlich kommt eine Wechsel- und Neuorientierung bei jüngeren Menschen sogar sehr häufig vor und wird in den meisten Fällen ohne größere Probleme bewältigt. Doch wie sieht es bei älteren Menschen aus?

 

Berufliche Neuorientierung mit über 50 – im falschen Beruf?

Schlechthin könnte anzunehmen sein, dass Menschen über 50 langsam auf das Ende Ihrer Karriere und die beginnende Rentenzeit hinarbeiten würden. Doch dem ist anscheinend überhaupt nicht so. Es gibt mehr und mehr Menschen, die gerade im fortgeschrittenen Alter über 50 den Wunsch verspüren, noch einmal alles grundlegend anders zu machen. Und das auch oder insbesondere in ihrem Berufsleben.

Was sind die Gründe? Zum einen konnten viele in der Generation, die heute über 50 Jahre alt ist, ihre Ausbildung nicht so frei wählen, wie das heute bei den jüngeren Menschen vielfach der Fall ist. Seit Jahren gibt es bereits während der Schulzeit für die angehenden Schulabgänger ausführliche Informationen über Studiengänge, Ausbildungen und Berufe. Es gibt eine Vielzahl von Messen, Büchern und Informationsveranstaltungen, die sich allesamt ausschließlich mit dem Thema Studiengänge oder Berufswahl befassen. Wer sich heute als Schüler oder angehender Auszubildender oder Student informieren möchte, der kann das ohne Probleme jederzeit und überall tun. Und falls er sich nicht belesen oder auf einer Messe informieren mag, bleibt immer noch das Internet, in dem fast alles zu finden ist.

All das gab es in den 50gern, 60gern und 70ger Jahren nicht. Die Berufswahl erfolgte häufig nach dem Wunsch der Eltern, der Familiensitte oder nach der ersten spontanen Eingebung. Und das muss ja auch nicht unbedingt in jedem Fall falsch gewesen sein. Doch so umfassend informiert, wie heute, waren die damaligen Schulabgänger keineswegs. So fehlte es bei vielen Schulabgängern neben den finanziellen Mitteln für eine gute Ausbildung schlicht und einfach auch an Informationsmöglichkeiten.

 

Berufliche Neuorientierung mit über 50 Jahren – was sind die Gründe?

Selbstverständlich gibt es auch noch zahlreiche weitere Gründe für Neu- und Umorientierung im Alter über 50. Einige Menschen möchten einfach nach vielen Jahren, die sie immer mit der gleichen Arbeit verbracht haben, noch einmal etwas Neues ausprobieren. Andere haben einen Kindheits- oder Jugendtraum, den sie sich über viele Berufsjahre hinweg bewahrt haben. Nun merken sie, dass auch ihr Leben nicht endlos ist und es Zeit wird, diesen Traum anzugehen. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragen sie sich.

In einigen Fällen ist es auch der Druck von außen. Der erste Herzinfarkt, der zu einer etwas ausgewogeneren Lebensweise mahnt, der kleine Familienbetrieb, der geschlossen wird oder das Unternehmen, dass sich bei Stellenkürzungen zunächst von den älteren Arbeitnehmern trennt.

Jeder Mensch hat seinen eigenen Lebensweg, seine Werte, Vorstellungen und damit auch Gründe, im fortgeschrittenen Alter eine berufliche Neuorientierung anzustreben.

 

Neu- und Umorientierung tatsächlich möglich über 50?

Doch nach dem ersten zaghaften Nachdenken folgt die große Frage: Geht das wirklich mit über 50? Kann ich mich in diesem Alter noch einmal völlig neu erfinden und beruflich von vorne beginnen?

Die Antwort kann nicht nein und auch nicht uneingeschränkt ja lauten. Ein klares Nein steht dafür, dass eine berufliche Neuorientierung nicht vom Himmel fällt. Einsatz, Energie und Durchhaltevermögen sind auch hier gefragt. Wer nicht intensiv plant und sich vorbereitet, wird es genauso schwer haben wie der, der nicht mit genügend Zielstrebigkeit und ausgeprägten Durchhaltevermögen ausgestattet ist. Häufig ist neues Lernen erforderlich. Eine Neuorientierung hat zumeist gravierende Auswirkungen auf die Familie und das gesamte Lebensumfeld. Das alles hat der sich neu Orientierende zu berücksichtigen. Denn auch die Umsetzung eines Kindheitstraums erfordert Organisation, Planung, Energie und eine große Menge an Flexibilität und nicht zuletzt auch an Mut und Risikobereitschaft.

Doch wer bereit ist, all das zu geben und von sich selbst und einer persönlichen beruflichen Neuorientierung überzeugt ist, der wird es schaffen. Ja, das ist mit 50 oder 55 Jahren genauso möglich, wie in jüngeren Jahren. Häufig weisen älteren Menschen sogar mehr Erfahrung und eine größere Toleranz- und Belastungsstärke auf. Rückschläge kennen sie aus langer Berufserfahrung zumeist zur Genüge. Sie können damit gut umgehen. Daher: berufliche Neuorientierung mit über 50 durchaus machbar.

 

Berufliche Neuorientierung geht auch über 50 besser mit ausgeprägter Resilienz

Wie so häufig im Leben haben es resiliente Menschen leichter bei einer Neuorientierung. Was ist Resilienz? In wissenschaftlichen Verfahren wurden sieben Faktoren festgelegt, die sogenannten Resilienzfaktoren. Resiliente Menschen zeichnen sich durch besonders hohe Werte bezüglich dieser sieben Faktoren aus. Und was sind diese Faktoren?

  1. Emotionssteuerung
  2. Impulskontrolle
  3. Kausalanalyse
  4. Realistischer Optimismus
  5. Selbstwirksamkeitsüberzeugung
  6. Zielorientierung
  7. Empathie

Ich werde auf die Resilienz und die Resilienzfaktoren in einem weiteren Artikel gesondert eingehen.

Doch bereits hier können wir festhalten, dass Menschen, die sich gut mit ihren Werten und Fähigkeiten kennen, sich selber im Griff haben, optimistisch und zielorientiert an ihr Vorhaben herangehen, es auch bei einer beruflichen Neuorientierung leichter haben werden als nicht resiliente Menschen. Und gerade ältere Menschen hatten während eines langen Berufslebens ausreichend Zeit sich diese Fähigkeiten und Stärken anzueignen und zu trainieren.

Berufliche Neuorientierung mit über 50 auch für mich?

Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich, ob auch Sie es wagen können, mit über 50 Jahren noch einmal neu durchzustarten und etwas vollkommen Neues zu beginnen. Wenn Sie die vorstehenden Absätze gut mitgelesen haben, wissen Sie bereits, dass eine Neuorientierung auch über 50 nicht so einfach von Sonntag auf Montag passieren kann. Doch mit einem festen Willen, Durchhaltevermögen, Mut und Zuversicht schaffen Sie. Wenn Sie professionelle Hilfe an Ihrer Seite wünschen, mit einem Jobcoach klappt es ganz sicher.

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Es sollen keine radikalen Lösungen sein. So wird es Ihnen sicher nicht helfen heute noch Ihre Arbeit zu kündigen und morgen mit der Traumverwirklichung anzufangen. Wovon sollen Sie dann in der Zwischenzeit Ihre Miete bezahlen? Wichtig ist daher, planmäßig und zielgerichtet vorzugehen. Vor allen Dingen sollten Sie Ihr gesamtes Umfeld und Ihre individuelle Persönlichkeit mit in Betrachtung und in die Planung einbeziehen. Vielleicht reicht in den einem oder anderen Fall, den eigenen Lebenstraum zunächst im Urlaub, in einem Praktikum oder in einer nebenherlaufenden Selbständigkeit auszuprobieren. Möglicherweise stellt sich aber auch bei genauen Nachdenken heraus, dass der ursprünglich angedachte Wunsch A lieber ein Wunsch bleiben soll. Dafür gibt es auf einmal einen machbaren Plan B mit dem Sie mehr als zufrieden sind und der sogar weitaus besser zu Ihrer Familiensituation passt.

Grundsätzlich ist also eine berufliche Neuorientierung mit über 50 auf jeden Fall möglich. Auch für Sie.

 

Berufliche Neuorientierung mit Jobcoach?

Wenn jemand Ihnen hier helfen kann, dann sicherlich ein guter Jobcoach. Ich nehme mir gerade bei Fällen der Neuorientierung sehr viel Zeit, um gemeinsam mit dem Klienten das eigentliche Ziel des Coachings festzulegen. Bereits bei diesem ersten Gespräch wird dem Klienten häufig selber sehr schnell klar, was er eigentlich genau möchte und anstrebt. Wenn dann das Ziel des Coachings formuliert und vereinbart ist, ist die gemeinsame Grundsteinlegung für einen Neuanfang vollbracht. So könnte auch Ihre berufliche Neuorientierung starten.

In weiteren Sitzungen arbeiten wir dann gemeinsam stringent auf die persönliche Zielerreichung zu. Dabei schauen wir uns genau die Persönlichkeit, die Werte, das Umfeld des Klienten an und überlegen und besprechen zumeist viele unterschiedliche mögliche Wege. Auf dem Weg bis zur Zielumsetzung bietet ein Jobcoaching eine perfekte professionelle Begleitung.

Mit Bernd Schöller (Name geändert) erarbeitete ich im Jobcoaching einen Plan, wie er neben seinem Beruf als Versicherungskaufmann, mit 54 Jahren in die lang ersehnte Selbständigkeit wechseln konnte. Nebenbei wollte er noch genug Geld zum Leben für sich und seine Familie verdienen. Er schaffte es, indem er sehr klein und zunächst in der Freizeit mit der Selbständigkeit startete.  Nach dem Coaching versicherte er mir: „Neuorientierung mit über 50? Ich würde heute garantiert etwas vermissen, wenn ich es nicht einfach mit Ihnen ausprobiert hätte.“

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